Projekte

Sport kann dazu beitragen, dass Familien Zeit miteinander verbringen und Freizeiterlebnisse teilen. Solche gemeinsamen Erlebnisse können den Zusammenhalt in der Familie und zwischen den Generationen stärken. Um diese Potenziale des Sports für Familien weiterzuentwickeln und auch publik zu machen, haben der DOSB und die Familienpolitik gemeinsame Projekte durchgeführt.

Das Projekt "Sport bewegt Familien - Familien bewegen den Sport" verfolgte das Ziel, Sportverbände und -vereine für das Thema Familie und Sport zu sensibilisieren und zu aktivieren, um gute Beispiele für mehr Familienfreundlichkeit im Sport (weiter) zu entwickeln und darzustellen.

Mit dem Projekt "Bewegte Zeiten für Familien" wurden Sportverbände und -vereine dabei unterstützt, sich verstärkt mit wichtigen Akteuren der Familienarbeit zu vernetzen, zum Beispiel mit Familienorganisationen, Lokalen Bündnissen und Mehrgenerationenhäusern.

Sport bewegt Familien

Sport bewegt Familien - Familien bewegen den Sport (März 2011 - Januar 2013)

Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Projekt "Sport bewegt Familien - Familien bewegen den Sport" verfolgte das Ziel, Sportverbände und -vereine für das Thema Familie und Sport zu sensibilisieren und zu aktivieren, um gute Beispiele für mehr Familienfreundlichkeit im Sport (weiter) zu entwickeln und darzustellen. Zugleich sollten die gesellschaftspolitische Bedeutung und die Potenziale des organisierten Sports in der Familienpolitik deutlich werden.

Diese Ziele wurden auf zwei Ebenen verfolgt: Während der DOSB übergeordnete Maßnahmen ergriff,  lieferten fünf jeweils ein Jahr laufende Modellprojekte von MitgliedsorganisationenBeispiele dafür, wie Familienfreundlichkeit im Sport konkret aussehen und gefördert werden kann.

In der Projektdokumentation sind die Ergebnisse des Projektes sowie Tipps für Vereine zusammengetragen. Wie die wissenschaftliche Begleitung in ihrem Fazit des Gesamtprojekts festhält, reicht es zum Beispiel nicht, "Familie" pauschal zu betrachten. Es brauche zunächst einen klar definierten Familienbegriff und, darauf aufbauend, ein Leitbild, um nachhaltig familienfreundliche Strukturen und Angebote zu entwickeln.

Natürlich fußt dieser Anspruch auf zwei guten Nachrichten: Erstens sind Sportvereine ihrem Wesen nach familienfreundlich und werden von der Zielgruppe auch so wahrgenommen - was oft noch zu wenig genutzt wird, etwa in der Mitgliederwerbung. Daraus folgt zweitens: Normalerweise können Vereine bereits bestehende Angebote nutzen, um für diese Zielgruppe noch attraktiver zu werden. Und je nach Profil und Strategie positionieren sie sich in der Folge vielleicht nicht nur als "familienfreundlich", sondern im Sinne von "Familienorientierung" oder gar "Familienanwaltschaft". Diese weiterreichenden Ausprägungen definiert die wissenschaftliche Begleitung in ihren Schlüssen aus "Sport bewegt Familien".

Foto: LSB Hessen
Foto: LSB Hessen

Natürlich hat der DOSB, seiner Kernaufgabe entsprechend, die Maßnahmen der Mitgliedsorganisationen koordiniert und beratend unterstützt. Darüber hinaus steuerte er aber auch die Öffentlichkeitsarbeit und führte den Dialog mit wichtigen Zielgruppen inner- und außerhalb des Sports, um die Wirkung des Projekts zu vertiefen und verlängern – Nachhaltigkeit ist das Stichwort.

So richtete er unter anderem die Website www.familie-sport.de ein und veröffentlichte eine Broschüre zum Thema – ein Leitfaden, der es Sportvereinen ermöglicht, die eigenen Strukturen und Angebote zu prüfen und sie gegebenenfalls familienfreundlicher zu gestalten. Auch schrieb der Dachverband einen Wettbewerb für sportlich besonders engagierte Familien aus. Eine Auszeichnung belohnte Treue zu einem Verein und ehrenamtlichen Einsatz über Generationengrenzen hinweg. Eine andere ging an eine Familie, in der die Eltern Karriere im Spitzensport machen und der Alltag trotzdem beispielhaft funktioniert (mehr dazu im Abschnitt "Praxisbeispiele Familie").    

Das Projekt „Sport bewegt Familien-Familien bewegen den Sport“ hat dem Direktorium des DOSB auch Anlass gegeben, im Frühjahr 2011 ein Quartett von Familienbotschaftern und -botschafterinnen zu benennen. Diese Fachleute, jede(r) auf eigene Weise engstens mit dem Thema vertraut, sollten dazu beitragen, Vereine, weitere Mitgliedsorganisationen und die Öffentlichkeit für die Tatsache zu sensibilisieren, dass Familien und Sport einander gut tun. Auch berieten sie den DOSB, um die Entwicklung an dieser Stelle weiter voranzutreiben, und erleichterten ihm den Zugang zu anderen Akteuren mit Familien-Fokus.

Denn die Netzwerkarbeit zu diesem Thema anzuregen, war ein zentrales Ziel des Projekts. Während die Mitgliedsorganisationen beziehungsweise ihre Vereine die lokale Zusammenarbeit mit Schulen, Familieneinrichtungen oder Jugendämtern suchten, ergänzte der Dachverband diese Aktivitäten auf Bundesebene. Er verstärkte den Austausch mit einschlägigen sozialen Institutionen als auch der Politik, um die Potenziale des Sports in der Förderung von Familien zu erläutern und zu betonen.

(Deutsche Reiterliche Vereinigung)
(Deutsche Reiterliche Vereinigung)

(Deutsche Reiterliche Vereinigung)

In jedem Sportverein gibt's viel zu tun. Und in manchen noch ein bisschen mehr. So in Pferdesportvereinen: Um ein Springreitturnier zu veranstalten oder einen Hindernis-Parcours zu errichten, bedarf es zupackender Unterstützung. Die Suche nach Ehrenamtlichen ist ein Topthema in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) – zumal die Bereitschaft zu freiwilliger Hilfe eher nachgelassen hat in den vergangenen Jahren. Auch die Angehörigen reitender Mädchen und Jungen erreichen viele Vereine nur schwer. Beim PSV Löningen-Ehren etwa waren bisher „gerade die Kinder und jugendlichen Reiter häufig auf sich gestellt“, wie der Vorsitzende Claus Wernke sagt. Nun hat der Verein aus dem Landkreis Cloppenburg gezielte Aktionen unternommen, um Eltern, Großeltern, Geschwister einzubinden: Als einer von zehn Partnern im Modellprojekt der FN namens „Familienerlebnis Ehrenamt im Reitverein“.

Familienmitglieder für sich einzunehmen, erscheint im Pferdesport per se anspruchsvoll: Eben aufgrund der Tatsache, dass dieser Sport und seine Organisation so viel Zeit beanspruchen, die in Familien bekanntlich knapp ist. Das 2011 gestartete, im August 2012 beendete Modellprojekt sollte also Antworten einholen, wie sich dieses Hindernis überwinden lasse. Grundsätzlich, und das ist eine zentrale Erkenntnis für die FN und ihre Mitglieder, fiel das den Partnervereinen mit ihren 35 bis rund 300 Mitgliedern weniger schwer als erwartet. Nicht nur der PSV Löningen-Ehren machte laut Claus Wernke die Erfahrung: „Wer Mut hat, Familien anzusprechen, der wird auch belohnt.“

Mut – und natürlich Ideen. Auch in diesem Teilprojekt von „Sport bewegt Familien – Familien bewegen den Sport“ bestand der zentrale erste Schritt darin, sich Gedanken über die Zielgruppe und ihre Eigenheiten zu machen. In einer Zukunftswerkstatt entwickelten der Verband und seine Partner Methoden und Maßnahmen, die man dann testete und über deren Effekt man sich später in zwei Regionalgruppentreffen und auf der gemeinsamen Abschlussveranstaltung austauschte. Letztlich mündeten die Erkenntnisse in einen Handlungsleitfaden, der die umgesetzten Ideen sammelt und daraus Praxisansätze für andere Vereine ableitet.

Wie sahen diese Ideen im Einzelnen aus? Ganz verschieden, schon im Ansatz. Teils ging es darum, Lust auf und Interesse am Reiten im Allgemeinen zu wecken, teils um konkrete Werbung für ehrenamtliche Vereinsarbeit. Der PSV Löningen-Ehren initiierte unter anderem einen Ausritt, zu dem er ausdrücklich Eltern und Geschwister junger Mitglieder einlud; beim RV Gustav Rau-Westbevern schulte man Erste Hilfe (an Tier und Mensch) und bot Reitunterricht für Angehörige sowie Kutschfahrten an – selbst ausgesprochen pferdescheue Väter und Brüder ließen sich ein; ein Verein veranstaltete Mehrgenerationenspiele zu Ross, ein anderer erarbeitete einen „Familienführerschein“: Eltern wurden im Satteln, Putzen und Verladen von Pferden geschult. Und ein Projektpartner hatte mit einem Fragebogen Erfolg, der Möglichkeiten und Bereitschaft von Familienmitgliedern zum Engagement erkundete. Als Reaktion hoben sich helfende Hände, die das Streichen des Vereinsheims und, siehe oben, den Bau eines Springparcours zu ermöglichten – wer Mut hat, Familien anzusprechen, wird belohnt.

Das betont auch die FN in ihrem Projektrückblick. Zwar muss man abwarten, ob sich aus den jeweiligen Aktionen der Modellvereine und der damit verbundenen internen Sensibilisierung in jedem Fall eine dauerhafte Familienorientierung ergibt – nicht überall hat laut Verband die Zeit gereicht, das Thema strategisch zu verankern. Aber es habe sich gezeigt, „dass den Vereinen viel mehr Unterstützung durch Familien zur Verfügung steht, als sie zuvor geglaubt hätten“. Zudem gewannen die Projektpartner neue Mitglieder. Kein Wunder, dass einige die ergriffenen Initiativen weiterführen.

Es geht ja um dauerhafte Wirkung, vor allem auf Verbandsebene. Neben einem der Modellvereine hat  auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung eine Person ernannt, die speziell mit Ehrenamtsfragen beauftragt ist. Gisela Hinnemann steht im Range eines Präsidiumsmitglieds und ist die Patin sämtlicher Maßnahmen, die in der 2010 gestarteten Ehrenamtsinitiative der FN ergriffen werden. „Vorreiter Deutschland“ heißt diese Initiative – ein großer Name, der Bedeutung des Themas für den Pferdesport angemessen.

Das waren die 10 teilnehmenden Vereine:
RuFV „Gustav Rau“ Westbevern (Westfalen), PSV Löningen Ehren (Weser-Ems), RVV Badenstedt (Hannover), RuFV Allermöhe-Moorfleet-Reitbrook (Hamburg), PSV Salbitz (Sachsen), RV Brieselang (Berlin-Brandenburg), RV Sprockhövel (Westfalen), RuFV Lobberich 1926 (Rheinland), RV Kurtscheid (Rheinland-Pfalz) sowie der RV St. Hubertus Rendsburg (Schleswig-Holstein).

Zur Präsentation des Projekts

Weitere Informationen zum Projekt der Reiterlichen Vereinigung erhalten Sie hier.

DSV Aquaball
DSV Aquaball

Und samstags ins Wasser, alle zusammen. So haben es sich nicht wenige Familien in Hamburg, Wernigerode (Harz), Mainz und Schwäbisch Gmünd angewöhnt seit Februar 2012. An diesen vier Standorten hat der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) ein Modellprojekt verwirklicht, das dazu beitragen sollte, das Außenbild des Sports zu erweitern – um das Attribut „familienfreundlich“. Zwar kann jedes Kind schwimmen lernen, und selbst Säuglinge fühlen sich im Wasser bekanntlich wohl wie die meisten Erwachsenen, aber in der Vergangenheit machten die DSV-Vereine diesen Gruppen getrennte Angebote. Die vier Partner des Projekts hingegen luden Eltern und Nachwuchs gemeinsam ein: Zu je zehn wöchentlichen Aktionstagen, den sogenannten „Family-Treffs Schwimmbad“.

Die Angesprochenen fühlten sich so - angesprochen. „Wegen des großen Erfolges“, so Projektleiter Wolfgang Lehmann vom DSV, setzten die Partner die Aktionstage auch nach Ende des Projektzeitraums im April fort, in der Regel einmal monatlich. Neben dem Termin (zum Samstag scheint es keine Alternative zu geben) entsprach offensichtlich auch die inhaltliche Flexibilität den Ansprüchen der Zielgruppe: „Die Möglichkeit sowohl räumlich getrennt als auch gemeinsam sportlich aktiv zu sein, kam bei den Familien gut an“, bilanziert Lehmann. Zum Beispiel: Während sich die Kinder bei Spielen im Wasser („Mensch ärgere Dich nicht“ inklusive) mit dem Element anfreundeten, Schwimmkurse machten oder schnuppertauchten, tobten sich die Eltern beim Aquajogging aus; danach spielten alle zusammen Aquaball.

Vier Stunden Programm: Das erforderte einigen Aufwand von den Projektpartnern, um die variierendenden, in jedem Fall diversen Bewegungs-, Fitness- und Spielmodule auf die jeweilige Nachfrage und baulichen Gegebenheiten abzustimmen. An allen vier Standorten lief das Projekt über die vorgesehenen zehn Wochen, wenn auch beim Hamburger Schwimmverband etwas anders als geplant: Der Badbetreiber stieg eine Woche vor Beginn aus, nicht alle Angebote kamen zustande.

A propos Hindernisse: Ermöglichte die Zusammenarbeit des Schwimmvereins Schwäbisch Gemünd mit dem „Lokalen Bündnis für Familien“ (und den Bäderbetrieben) die Fortsetzung der Family-Treffs, stießen entsprechende Initiativen der weiteren Projektpartner auf wenig Reaktion – und sei es, weil der Samstagstermin mit den zeitlichen Strukturen angesprochener Familien-Organisationen kollidierte.

Das Sportabzeichen als Magnet

Die Arbeit fruchtete auch (fast) ohne Netzwerke. Tatsächlich haben die Partner zum Teil neue Mitglieder gewonnen, und allein in Gmünd machten im Rahmen der Aktionstage 70 Minderjährige und 15 Erwachsene das Sportabzeichen. Der Verein hat infolge des Projekts neben dem Family- auch einen Sportabzeichen-Treff gegründet – äußerliches Zeichen eines veränderten Selbst- und Fremdbildes. Der Vorsitzende Roland Wendel sagt: „Der SV Schwäbisch Gmünd hat sich über Jahrzehnte hinweg über den Leistungssport definiert, jetzt wird er auch im Breitensport wahrgenommen.“

Auch die anderen Partner haben ihr Profil offensichtlich erweitert. Ihre gesammelten  Erkenntnisse hat der DSV in einem Fragebogen ermittelt, sie stellten sie zudem auf einer projektabschließenden „Auswertetagung“ in Wernigerode vor, bei der auch der DOSB und die DOSB-Führungsakademie vertreten waren. Auf einer Zwischentagung in Potsdam waren zuvor schon alle Landesschwimmverbände über Verlauf und erste Erkenntnisse der Family-Treffs informiert worden.

Zur Präsentation des Projekts

Weitere Informationen zum Projekt des DSV finden Sie hier.

Weitere Informationen zu den einzelnen Testvereinen finden Sie hier:

Schwimmverein Schwäbisch Gmünd 

Harzer Schwimmverein Wernigerode 2002 e.V. 

Mainzer Schwimmverein 1901 e.V. 

Hamburger Schwimmverband 

 

 

(Deutscher Turner-Bund)
(Deutscher Turner-Bund)

Warum sollten Sportvereine in kommunalen Netzwerken mitwirken? Der Deutsche Turner-Bund (DTB) kann diese Frage nun, nach Ende des Projekts „Sport bewegt Familien – Familien bewegen den Sport“, ausführlich beantworten. Das Entscheidende lässt sich wohl so zusammenfassen: Wenn die Zusammenarbeit funktioniert, bringt sie neue Mitglieder – und zwar auch aus bisher nicht erreichten Zielgruppen. Und sie bringt Synergieeffekte, unternehmerisch ausgedrückt. „Das Netzwerk schafft gemeinsam mehr als jeder einzelne Partner“, heißt es im Abschlussbericht von „Babys in Bewegung“, dem Modellprojekt des DTB.

Dieses Projekt wurde vom Juli 2011 bis August 2012 umgesetzt, an drei Modellen respektive Standorten. In Langen, Worms und Frankfurt am Main hatte sich zuvor je ein Netzwerk inklusive je eines Sportvereins gebildet, um junge Familien mit Babys zwischen drei und zwölf Monaten anzusprechen – nicht nur, aber ausdrücklich auch Familien in schwieriger sozialer Situation. So betrat der DTB zweierlei Neuland: Für gewöhnlich beginnt das Turnangebot für Kinder bei Einjährigen; und eine konzentrierte Ansprache belasteter Mütter und Väter – etwa Alleinerziehende, Minderjährige, von sozialer Grundsicherung Lebende – ist sportweit eine Ausnahme. Die Partnerschaft mit Akteuren der Familienhilfe, -beratung und -bildung sollte sie möglich machen.

Der Netzwerkaufbau an den drei Standorten war ebenso methodischer Kern des Projekts wie erstes Etappenziel. Das zweite bestand in der gemeinsamen Organisation einer Vereinsgruppe „Babys in Bewegung“, das dritte in der darauffolgenden Integration der  Teilnehmenden in bestehende Vereinsangebote: Eltern-und-Kind-Gruppen, im Fall der Erwachsenen auch Fitness- oder Gesundheitskurse. Überdies nahm der DTB das Programm zum Anlass, das Thema „Familie und Sport im Turnverein“ in den Verband hineinzutragen, durch Information – so auf der Homepage, in Gremien, per Projektbroschüre - und durch Diskussion, etwa auf Konferenzen. Sport bewegt Familien. Und Familien bewegen den Sport. So sollte es sein.

Erfolg und Erkenntnis

So war es, im Großen und Ganzen. Indem die Babys motorische, geistige und sinnliche Anregung erhielten, die Eltern sich ganz auf ihre Kindern konzentrierten, mit und über sie lernten und sich dabei mit Gleichgesinnten austauschen konnten, hat auch das Turnen gewonnen, zum Beispiel Mitglieder und Kontakte. Und natürlich Erkenntnisse, wie sich auf diese Gewinne aufbauen lässt – der DTB will die Idee „Babys in Bewegung“ ja streuen, so durch Empfehlungen an Vereine und die Ausbildung von Übungsleitern.

Kein Wunder. Denn die direkte Ansprache via Netzwerkpartner führten den Modell-Vereinen insgesamt mehr Familien in prekärer Lebenslage zu als erwartet. Das „Babys-in-Bewegung“-Netzwerk in Langen etwa baute nicht eine, sondern drei Gruppen auf, rund die Hälfte ihrer Mitglieder begrüßte der beteiligte TV Langen später im Eltern-Kind-Turnen. Stichwort Kontakte: Mit dem Mehrgenerationenhaus des Zentrums für Jung und Alt plant der TV Langen eine gemeinsame, dann vierte Baby-Gruppe sowie weitere Bewegungsangebote. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit, der Teilnehmendenakquise und bei der Suche nach Räumlichkeiten unterstützt man sich gegenseitig.

Entscheidend ist der kurze Draht zwischen Netzwerkpartnern und Zielgruppe. In Langen fungierten unter anderem ein Kinderarzt und die Tafel als Mittler zu hochschwangeren Frauen in sozial schwieriger Lage, in Worms bahnten ebenfalls Kinderärzte, dazu das Personal einer Kinderklinik und das städtische Netzwerk Frühe Hilfen (lokale Unterstützungssysteme für Eltern ab der Schwangerschaft) den Weg zu entsprechenden Familien. Dort nahm die Nachfrage nach den Kursen im Verlauf des Projekts stetig zu, und rund 80 Prozent der Babys sah ALISA Sport nach Erreichen der Altersgrenze im Eltern-und-Kind-Turnen wieder. Künftig will der sozial ausgerichtete Verein zwei Gruppen mit „Babys in Bewegung“ bilden.

In Frankfurt verlief die Akquise zunächst erfolgreich: Gestützt auf die Hilfe von Mitarbeiterinnen der Frühen Hilfen, die Familien in Problemlagen zum Kurs und wieder nach Hause fuhren, bildete sich eine gemischte Gruppe, deren zweite Hälfte aus Eltern der Mittelschicht bestand. Doch dann hakte es, die sozial Schwächeren blieben dem Kurs nach einiger Zeit fern – ihr Anteil war wohl zu hoch. Familien in schwieriger Lage müssten „in der Menge der übrigen Teilnehmer ,verschwinden' können“, folgert der DTB im Projektbericht.

Es geht um Kenntnis und Sensibilität: Wer belastete Familien erreichen wolle, müsse sie persönlich ansprechen und jede Form der Stigmatisierung vermeiden, hält der Verband fest. Das muss keinen Verein abschrecken, denn „Babys in Bewegung“ lieferte auch hierfür ein Modell: Die Menschen, die die Frauen und Männer kontaktierten – Hebammen, Kinderärzte et cetera – übergaben ihnen einen gestempelten Gutschein zur kostenlosen Teilnahme am Kurs. Die Eltern hatten das Gefühl, eine „Zugabe“ offiziellen Charakters zu erhalten – anstelle des Eindrucks, als jemand angesprochen zu werden, der oder die den Kurs „nötig“ habe.

 

Zur Präsentation des Projekts

Weitere Informationen zu den einzelnen Standorten finden Sie hier.

 

(Landessportbund Brandenburg)
(Landessportbund Brandenburg)

Nur wenn der Sport sich selbst bewegt, kann er Familien bewegen – diesem Gedanken folgte das Modellprojekt des Landessportbunds Brandenburg. Ziel der Initiative war die „Entwicklung familienfreundlicher Sportvereine im Kontext unterschiedlicher Strukturbedingungen“, so der Untertitel. Wenn das ein wenig nach Doktorarbeit klingt,  entspricht es dem umfangreichen Anspruch an das Vorhaben.

Als Modelle wurden in diesem Fall vier betont verschiedene Sportvereine ausgewählt: ein großer aus dem Berliner Umfeld (TSV Falkensee) und drei kleinere mit je einer Sparte aus ländlichem Raum (SG Crussow, Rot-Weiß Carmzow, Flemsdorfer Haie). Auf Basis eines Fragebogens (zur Ermittlung des örtlichen Bedarfs) und gegenseitigen Erfahrungsaustauschs sollten sie familiengerechte Strukturen ausbilden – und letztlich übertragbare Hinweise zur Ansprache der Zielgruppe liefern. Zugleich wollte der LSB selbst das Thema erstens intern stärken und sich damit zweitens nach außen positionieren: als wichtiger Partner der Familienpolitik.

Um es vorwegzunehmen: Das Projekt bewirkte vieles, die Annäherung des LSB an die Politik jedoch gelang nicht wie erwünscht. Das zuständige Landesministerium bekundete seine offizielle Unterstützung, praktische Beteiligung aber – etwa an der Projektsteuerung – sagte es aus zeitlichen Gründen ab. Auch auf kommunaler Ebene gestaltete sich insitutionelle Kooperation manchmal schwierig: Die ehrenamtlich wirkenden Familienbündnisse aus der strukturschwachen Uckermark, Heimat der drei Kleinvereine, nahmen die Einladung zu einer Sitzung der Steuerungsgruppe nicht wahr; mangels Zeit und Geld für die Fahrtkosten. Nur die Vertretung des Falkenseer Bündnisses sagte zu.

Kindersport mal drei

Aber dafür sind Modellprojekte da: Möglichkeiten kennenzulernen – und Grenzen. Und obwohl sich eine Vernetzung mit sozialen Trägern und Politik nur beim TSV Falkensee auf allen Ebenen umsetzen ließ, profitierten auch die ländlichen Vereine von Kontakt und Kooperation. Dafür sorgte schon der moderierte Erfahrungsaustausch: Viermal kamen je zwei bis drei Teilnehmer(-innen) pro Verein zusammen, vier weitere Male traf man sich in Telefonkonferenzen, um Besonderheiten und Probleme des Einzelnen herauszuarbeiten und entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, die dann erprobt wurden. Paradebeispiel der Befruchtung: Alle drei Kleinvereine nutzten die einschlägige Erfahrung aus Falkensee, um – teils in Zusammenarbeit mit einer Kita – Kindersportgruppen aufzubauen. Der LSB unterstützte diesen Prozess durch ein spontanes Kurzseminar für die neuen Übungsleiter und Übungsleiterinnen.

Strukturveränderung war das Ziel in Brandenburg – Tage der offenen Tür und Familienfeste bildeten sozusagen Symbole der umfangreichen Öffnung für die Zielgruppe. Der TSV Falkensee schuf die Position einer Familienkoordinatorin und besetzte sie mit einer 400-Euro-Kraft. Der Eishockeyverein Flemsdorfer Haie erregte mit Angeboten in verwandten Sportarten wie Inline-Hockey und Unihoc auch das Interesse von Frauen und Kindern; und wie der Fußballverein SG Crussow gründete er eine Frauenabteilung in seiner Kerndisziplin.

Ohnedies kooperieren die Modellvereine durch das Projekt nun untereinander (man leiht einander Sportgeräte, die SG Crussow und die Flemsdorfer Haie machen unter anderem gemeinsame Sportangebote), aber auch mit weiteren Akteuren am Ort. Im Fitness-Studio gibt es Rabatt für Mitglieder, man organisiert Feste mit anderen Vereinen und nutzt die Räumlichkeiten von Kooperationspartnern wie Kitas – ein entscheidender Fortschritt, wenn zuvor höchstens ein Sportplatz zugänglich war. In Flemsdorf bauen die Haie sogar den ausrangierten Speisesaal einer Gaststätte so um, dass dort im Winter Feldhockeytraining und Kindersportnachmittage stattfinden können. 

Neue Mitglieder, neue Bewegungslandschaft

Und die Wirkung all der Maßnahmen? Der LSB spricht von einem „deutlichen Imagegewinn“ für die Vereine. Das ist schwer zu belegen, aber der Zuwachs an Mitgliedern (rund 70) wie Übungspersonal (8) im Projektzeitraum legt es nah. Schon die zu Beginn verteilten Fragebögen, die den Bedarf an familienbezogenen Angeboten ermitteln sollten, motivierten einige der Angesprochenen zu freiwilligem Engagement. Der Großverein in Falkensee kam mit Unterstützung des LSB außer mit der Lokalpolitik auch mit der örtlichen Presse enger in Kontakt. So erlangte er beispielsweise Einfluss auf die Planungen einer neuen Halle: Der Bau soll nun eine familienfreundliche Bewegungslandschaft enthalten.

Und der LSB? Der Verband hat seinerseits zielgruppenspezifische Strukturen eingezogen. Über das Projektende hinaus stellt er seine Familien-Erfahrungen vor, auf eigenen Veranstaltungen, aber auch gegenüber Kreis- und Stadtsportbünden. Er hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die das Thema unter anderem mit dem Ziel weiterbearbeitet, Förderrichtlinien für Familienprojekte zu definieren. Und in Kooperation mit der Europäischen Sportakademie hat der LSB Brandenburg ein 15 Lerneinheiten umfassendes Fortbildungsmodul über Familiensport im Verein entwickelt, das sich an Übungsleiter und -leiterinnen sowie an Vorstände richtet.  

Zur Präsentation des Projekts

 

(Landessportverband Schleswig-Holstein)
(Landessportverband Schleswig-Holstein)

Sport bewegt Familien - in Schleswig-Holstein bewegt er sie zum Kämpfen. Und zwar zum gemeinsamen, launigen und deswegen verbindenden Kämpfen: Das ist der entscheidende Aspekt im Modellprojekt des dortigen Landessportverbandes (LSV). In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landesfachverbänden und 27 Vereinen machte der LSV ein Jahr lang Angebote in Aikido, Judo, Ju-Jutsu und Jiu-Jitsu. Überschrift des Projekts: „Familien raufen (sich) zusammen“. Zielgruppe: Bisher sport- und vereinsferne Erwachsene und ihre Kinder.

Wer diese Zielgruppe erreichen will, muss ihr entgegenkommen. Die Teilnahme an den Kursen kostete nichts, noch verpflichtete sie zur Mitgliedschaft. Das Projekt sollte ja demonstrieren, dass Sport im Verein gemeinsame Zeit keineswegs immer nimmt, im Gegenteil: Er kann dieser Zeit einen festen Raum geben, kann neben dem Einzelnen auch die wechselseitigen Beziehungen stärken – und damit das Gefüge Familie. Indem sich Mutter und Tochter, Väter und Söhne auf die eine oder andere Weise balgten, wurden Fitness und motorische Fähigkeiten geschult; vor allem aber wurden zugleich Team- und Konfliktfähigkeit, Respekt vor Partnern, der Wert von Regeln vermittelt – wer sich spielerisch auf der Matte streitet, lässt es Zuhause vielleicht bleiben. Und wer den eigenen Körper spürt und gleichzeitig den des oder der anderen, bekommt ein sichereres Gefühl, für sich wie sein(e) Gegenüber.

Die Projektbilanz bestätigt diese Annahmen: Der spaßbetonte Kampfsport förderte Kommunikation und Zusammenhalt in den teilnehmenden Familien, so berichteten es die Übungsleiterinnen und -leiter der Kurse, zudem einige Familienmitglieder gegenüber der Steuerungsgruppe – Austausch fand regelmäßig statt, zuletzt beim Abschlusstreffen im September 2012. Auch die  Resonanz der Zielgruppe war teils erstaunlich: Zwischen 8 und 45 Personen nahmen an den Kursen teil, im Schnitt waren es 15; einige Vereine sahen sich – mitunter ganz wörtlich – dazu aufgefordert, das Angebot zu erneuern. Sechs von ihnen organisierten noch im Projektrahmen eine zweite Kursstaffel, einer schob schon eine dritte an.

Die Familienministerin in Mönkeberg

Natürlich verfolgte der LSV mit „Familien raufen (sich) zusammen“ auch strukturelle, grundsätzliche Ziele. Voran jenes, die eigenen (Fach-)verbände und Vereine auf der einen, die Zielgruppe auf der anderen Seite aufeinander aufmerksam zu machen und füreinander zu interessieren, um letztlich Mitglieder und Ehrenamtliche für den organisierten Sport zu gewinnen. Nicht nur die fortgeführten Angebote sind in diesem Sinne ein gutes Zeichen.

Denn in Schleswig-Holstein erfuhr eine breite Öffentlichkeit von dem Projekt. Die früh begonnene Kontakt- und Medienarbeit gipfelte in einem Besuch von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bei einem der Testvereine, dem SV Mönkeberg samt folgender Pressekonferenz, an der auch Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie, DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers und LSV-Präsident Ekkehard Wienholtz teilnahmen. Besonders bemerkenswert: Das ZDF, also ein nationaler Sender, zeigte einen zweieinhalbminütigen Beitrag über die Modellinitiative in der „Drehscheibe“. Zudem nahm der Hörfunksender NDR 1 das Thema auf.

Nicht zufrieden war der LSV unter einem anderen Aspekt: Die angestrebte Zusammenarbeit mit familienpolitischen Netzwerken kam im hohen Norden kaum zustande. Das zu ändern, ist ein Ziel der Zukunft – und wäre nach Überzeugung von Verband und Vereinen im Interesse aller Beteiligten.

Dafür scheint der offensichtliche Erfolg des Modellprojekts den internen Austausch zu fördern. Der LSV denkt daran, in der Familienansprache mit weiteren Kampfsportverbänden zu kooperieren – sie haben ebenso ihr Interesse an dem Ansatz bekundet wie andere Landessportbünde. Darüber hinaus erwägt er die gewonnenen Erfahrungen (zum Beispiel die Erkenntnis, dass persönliche Ansprache besser wirkt als das Verteilen von Projektflyer) selbst zu nutzen: indem er Familien auch entsprechende Angebote in Nicht-Kampfsportarten macht – oder damit mehrere Sportarten kombiniert.

Zur Präsentation des Projekts


Aktuell wird die Idee des Familiensports in Schleswig-Holstein mit "Familien in Bewegung" einer Weiterentwicklung von "Familien raufen (sich) zusammen" durchgeführt. So konnte die erfolgreiche Zusammenarbeit des Landessportverbandes mit seinen Landesfachverbänden weiter ausgebaut werden.

Folgende Fachverbände planen, sich ich an diesem Projekt zu beteiligen:

  • Schleswig-Holsteinischer Schwimmverband e.V. „Familien (schwimmen) oben auf“
  • Tischtennisverband Schleswig-Holstein e.V. „Familien an den Tisch“
  • Pferdesportverband Schleswig-Holstein e.V. „Pferd sucht Familie“
  • Aikido-Verband, Judo-Verband, Ju-Jutsu-Verband Schleswig-Holstein e.V. „Familien raufen (sich) zusammen“
  • Deutscher Rollsport- und Inline Verband Schleswig-Holstein e.V. „Familien auf Rollen“
  • Segler-Verband, Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V. „Alle in einem Boot“

Der Startschuss für das Projekt „Familien in Bewegung“ fiel am „Tag des Sports“, dem 1. September 2013.

Weitere Informationen erhalten Sie hier >>>

Weitere Materialien zum Familiensport im LSV Schleswig-Holstein >>>

Bewegte Zeiten für Familien

Foto: Deutscher Tennis Bund

Bewegte Zeiten für Familien (Januar 2013 - Juli 2015) 

"Bewegte Zeiten für Familien" heißt das zweite Projekt von DOSB und Familienministerium. Mit diesem Projekt wurden Sportverbände und -vereine dabei unterstützt, sich verstärkt mit wichtigen Akteuren der Familienarbeit zu vernetzen, zum Beispiel mit Familienorganisationen, Lokalen Bündnissen und Mehrgenerationenhäusern.

Ziel war es, die Möglichkeiten des Sports in der Familienarbeit bekannt zu machen, um dann in Kooperationen gemeinsame Angebote zu gestalten, die den Bedürfnissen der Zielgruppe „Familie“ gerecht werden.

In der Netzwerkarbeit zwischen Akteuren für Familien und dem Sport sieht der DOSB ein großes Potenzial, mehr Angebote und bessere Rahmenbedingungen im Alltag zu schaffen, die den Bedürfnissen von Familien gerecht werden. Dies können gemeinsame Angebote sein, um Familien für die gemeinschaftliche Aktivität zu gewinnen oder um Familien zu entlasten, so zum Beispiel durch geeignete Betreuungsangebote. Durch die Zusammenarbeit können die Wirkungsbereiche jedes einzelnen Partners vergrößert und neue Ressourcen freigelegt werden, was letztendlich den Familien zu Gute kommt.

Die Broschüre „Bewegte Zeiten für Familien - Möglichkeiten und Herausforderungen in der Zusammenarbeit von Sportvereinen und Familienakteuren“ greift die Ergebnisse des Projekts auf und gibt gute Tipps für eine erfolgreiche lokale Netzwerkarbeit.

Praxisbeispiele

Gute Beispiele aus der Praxis

Das können Sie auch! Viele Verbände und Vereine haben es bereits vorgemacht und erfolgreiche Projekte und Kooperationen auf die Beine gestellt. Auch zahlreiche Familien sind im Sport aktiv und engagiert. Jetzt sind Sie dran! Als Hilfestellung finden Sie hier gute Umsetzungsbeispiele von DOSB-MitgliedsorganisationenVereinen und Familien.

Verbandsbeispiele

LSV für das Saarland – Bewegung mit Kindergärten

Dieses Projekt war nicht eins von vielen, das 2011 aus dem Innovationsfonds gefördert wurde. Sondern es war das beste Familiensportprojekt jenes Jahres – als solches wurde es vom DOSB prämiert. Der Projektbericht verdeutlicht: Der Landessportverband Saarland (LSVS) verfolgte nicht nur langfristige Ziele, sondern er verfolgte sie auf klarer Linie, Schritt für Schritt. So baut „Familien in Bewegung“ auf das 2003 entstandene Programm „Kindergarten Kids in Bewegung“ auf. Dieses Programm hat Kooperationen zwischen Sportvereinen und Kindergärten hervorgebracht, von denen 32 zum Zeitpunkt der Ausschreibung schon mindestens zwei Jahre bestanden. Im Kreis dieser gewachsenen Partnerschaften wurde das neue Projekt umgesetzt.

Nach etwa halbjähriger Informations- und Bewerbungsphase förderte der LSVS fünf Maßnahmen. Zum Beispiel den Kurs „Pilates und Physiogymnasitk“ für Erwachsene in St. Ingbert, den der Verein in der Kindertagesstätte anbot, verbunden mit Bewegungsübungen für Kinder im gleichen Raum bei gemeinsamem Aufwärmen und Abschluss; oder ein kombiniertes Gymnastik- und Ausdauertraining in Homburg, zu dem Sportverein und Bildungsstätte Kinder plus Erwachsene in den Erbacher Wald einluden – wenn Eltern und Großeltern liefen oder walkten, radelten die Kids.

Die Maßnahmen sollten nicht nur den beteiligten Vereinen und ihren Partnern, sondern auch dem Verband neue Erkenntnisse liefern: darüber, ob und wie generationenübergreifende Bewegungsangebote für die Angehörigen von Kindergartenkindern funktionieren. Welche Methoden und welche Inhalte sprechen Eltern, Großeltern, Geschwister, Tanten und Onkels oder auch Paten an – und welche lassen sich für Sportvereine und Kindergärten gut umsetzen? Um das herauszufinden, besuchte das LSVS-Projektteam unter anderem die Kurse und tauschte sich mit den Partnern aus; und nach Abschluss des Projektzeitraums im Juni 2012 gab es einen Runden Tisch, der mit einer gemeinsamen Auswertung verbunden war. Die Ergebnisse sollten bei einer Informationsveranstaltung und in einer Broschüre vorgestellt werden.

Erfolg und Erkenntnis

Diese Broschüre liegt seit September 2012 vor und basiert auf den fünf Einzeldokumentationen. Auch am Runden Tisch und an der Informationsveranstaltung waren alle Kooperationspartner zugegen – Verlässlichkeit, die für sich und die Projektidee spricht. Alle fünf Vereine bekundeten, ihr Angebot sei durch das Engagement der Bildungseinrichtungen aufgewertet worden; zwei der fünf Maßnahmen waren gar primär von den Kindergärten gesteuert worden. Der LSVS sieht den Vorteil der Kooperation nicht zuletzt in der genauen Zielgruppenansprache: Je näher Bewegungsangebote organisatorisch an die Alltagswelt von Familien anknüpften, umso eher würden sie angenommen. Konkret erreichte das Projekt etwa 40 Familien (zwei größere Sonderveranstaltungen in Bous nicht berücksichtigt), drei der fünf Maßnahmen wurden als „Leuchtturmprojekte“ weitergeführt. Der Verband selbst hat mittlerweile Roll-Ups zum Thema erstellen lassen und eine Wortbildmarke „Familie in Bewegung“ geschaffen, die seine  Veröffentlichungen begleitet.

DAeC – Wettbewerb für familienfreundliche Luftsportstrategen

Es gibt viele gute Ideen, nur haben muss man sie – oder sammeln. So hat es der Deutsche Aeroclub (DAeC) gemacht. Der Luftsportverband, in dem Segel- und Motorflieger, aber (mit je eigenem Fachverband) auch Fallschirmspringer, Drachen- und Gleitschirmflieger oder Modellflug-Fans organisiert sind, schrieb Ende 2011 einen Wettbewerb für familienfreundliche Vereinsstrategien aus

Durch den Wettbewerb erfuhr der Dachverband, dass der Aero-Club Idar-Oberstein unter anderem ein rotierendes Betreuungssystem für Kinder fliegender Eltern anbietet und Ferienfluglager für Familien –  Platz zwei im Wettbewerb; dass der Flugsportverein Gerstetten zum Beispiel sein Vereinsheim familienfreundlich umgebaut hat, inklusive Jugendschlafraum und Glasfront mit Blick auf Start- und Spielplatz; dass auch die Segelfluggruppe Wershofen einen Sandkasten, zudem Wickeltisch und Hochstuhl im Programm hat und neben anderen Vereinen mit einem Tennisclub kooperiert, um ihren Mitgliedern günstiges Spielen zu ermöglichen.

Gerstetten und Wershofen belegten den geteilten dritten Platz im Wettbewerb, den der Flugsportverein Otto Lilienthal Stölln/Rhinow gewann: Das 2006 gestartete Projekt „Systematisch zur Wohlfühlkultur und Agenda 2020“ beinhaltet diverse praktische Maßnahmen – Gründung einer AG Modellflugbau an einer Schule, Lauftreff am Flugplatz et cetera –, die auf einer Analyse beruhen, evaluiert wurden und in einer Projektbroschüre beschrieben sind – wahrhaft „systematisch“, dieses Vorgehen.

Erfolg und Erkenntnis

Die wichtigste Erkenntnis des aus dem DOSB-Innovationsfonds bezuschussten Wettbewerbs liegt darin, dass die (mit Geld) prämierten Strategien ihren Zweck erfüllen: Die vier Vereine erhalten offensichtlich erhöhten Zuspruch von Familien, ihre Mitgliederzahlen steigen oder – der Fall von Idar-Oberstein – bleiben in schwierigem Umfeld konstant. So kann der DAeC nun nicht einfach Ideen darstellen, sondern wirksame Maßnahmen weiterempfehlen; „der Luftsport braucht mehr von diesen Initiativen“, schreibt DAeC-Präsident Klaus Koplin in der Projektbroschüre (Link:http://www.daec.de/fileadmin/user_upload/files/2012/fachbereiche/BAFF/Broschur_BAFF_AK05_web.pdf). Und auch wenn der Verband in seinem Aufruf zum Wettbewerb einige Vereine nicht schnell genug erreichte –  manche Landesverbände haben keine eigene Zeitschrift, um ihre Mitglieder unkompliziert und zeitnah zu informieren  – beschlossen sein Bundesausschuss für Frauen und Familien (BAFF) und die Luftsportjugend einen Folgewettbewerb. „Mitglieder gewinnen – Zukunft sichern“ thematisiert soziale Vielfalt.

DAV – Netzwerk Familienbergsteigen

Familien? Das ist doch selbstverständlich: Für den Deutschen Alpenverein (DAV) geht es bei der separaten Ansprache der Zielgruppe nicht ums Ob, sondern ums Wie. Der schnell wachsende Sportfachverband (mit inzwischen einer Million Mitgliedern zugleich Deutschlands größte Naturschutzorganisation) gehört auch im Mitgliedermarketing zu den modernen seiner Art. Das bestätigt das im Oktober 2012 beendete Projekt „Netzwerkarbeit Familienbergsteigen“. Es richtete sich nicht an Familien im Allgemeinen, sondern in erster Linie an sogenannte Familiengruppenleitungen: rund 800 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in den Sektionen mit Familienschwerpunkt – Multiplikator(inn)en also. Der Verband entwickelte ein crossmediales Konzept, um ihnen den Zugang zueinander und zu für sie relevantem Wissen zu erleichtern.

Denn auch im Bergsport sind Ehrenamtliche stark durch Beruf und Alltag beansprucht. Sie bei der Stange zu halten und Interessierte zum Mitmachen zu bewegen, ist ebenso Daueraufgabe wie in anderen Verbänden – Vereinbarkeit ist das Stichwort, Vereinbarkeit mit den anderen Lebensbereichen. Um sie zu begünstigen, überarbeitete der DAV die Webangebote unter alpenverein.de/Familie und vereinsintern/Familienbergsteigen (Intranet) sowie seine Familiengruppenzeitschrift und vernetzte dieses Trio mit und durch Social-Media-Optionen. Passgenaue, schnell verfügbare Information und direkter Austausch Gleichgesinnter, so das Kalkül, senkt Einstiegshürden beziehungsweise hemmt Ausstiegsgedanken.

Erfolg und Erkenntnis

Dieses Kalkül scheint aufzugehen. Schon kurz nach Ende des Projekts hatte der Alpenverein einige Ehrenamtliche qualifiziert und neu gewonnen. Aber es geht auch um langfristige Effekte. So hofft der DAV den Austausch zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern in Gang gebracht zu haben – breitere Kontaktnetze könnten etwa neue Themenfelder erschließen und Akquise, Qualifikation und Bindung von Helferinnen und Helfern nochmals voranbringen. Im Übrigen war das Familienprojekt in das übergeordnete Vorhaben „DAV- Kommunikationsstrategie“ eingegliedert, erkennbar etwa am Corporate Design der Familiengruppenzeitschrift. Der Verband  empfiehlt dieses systematische Vorgehen ausdrücklich, als kostensparend und markenbildend.

DLRG – Ferien für Lebensretter

Die Kinder üben das Schwimmen, die Eltern üben das Retten, gemeinsam buddeln sie in den Dünen oder ziehen durch Salzwiesen. So in etwa konnte sich der Tag gestalten, wenn man an einer Ferienfreizeit der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) im Sommer 2012 teilnahm. Die Urlaubswoche auf der autofreien Nordseeinsel Wangerooge war das zentrale Element von „DLRG bewegt Familien“, ein Projekt, mit dem der Verband Eltern fünf- bis zwölfjähriger Kinder ansprach. Und zwar speziell solche, die einst Rettungsschwimmer(in) waren und es mangels Zeit nicht mehr sind – Aufforderung zum Comeback.

Der DOSB förderte das Projekt aus seinem Innovationsfonds, und innovativ war es wirklich. Denn familienbezogene, generationenübergreifende Angebote gibt es in der DLRG wenige, und die wenigen besitzen keinen so konzeptionellen, forschenden Charakter: „Unter idealen Rahmenbedingungen haben wir erproben können, wie es gelingen kann, auf Familien als eine für unseren Verband neue Zielgruppe erfolgreich zuzugehen“, sagte Jürgen Laudien, Leiter der Freizeit, später. Er sitzt der DLRG-Ortsgruppe im Wangerooge-nahen Wehdel vor, die das Projekt begleitete.

Zu der Freizeit trafen sich also Groß und Klein – mit jeweils variierenden Interessen und Erfahrungen.  Ziel war es, die vielen verschiedenen Ansprüche zu erfüllen und zugleich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen. So umfasste das Programm neben Schwimmen und Rettungsschwimmen in Theorie und Praxis sowie Erste-Hilfe-Kursen auch Exkursionen in die Natur und Spiele. Später sollten die Teilnehmenden ihre Erfahrung schriftlich bewerten. Die gesammelten Erkenntnisse wollte der Verband durch seine Medien und in einem Lehrgang für Ortsgruppenvertreter weitergeben.

Erfolg und Erkenntnis

Der besagte Lehrgang kam mangels Anmeldungen nicht zustande. Eine Ursache könnte wenig ausgeprägtes Zielgruppendenken der Ortsgruppen sein – was das Projekt umso angemessener erscheinen ließe. Zumal die Familien überaus positive Rückmeldungen gaben: 18 von 19 bewerteten den Lehrgang als „sehr gut“, eine als „gut“, der Lernerfolg wurde 11 Mal als „sehr hoch“, 8 Mal als „hoch“ eingestuft. Die Stimmung auf der Freizeit und inoffizielle Kommentare sprachen laut DLRG ohnehin für sich. Das Fazit – zur Nachahmung und Fortentwicklung empfohlen – hat der Verband unter anderem in seiner Zeitschrift gezogen, eine Dokumentation des Projekts wird vor allem digital verbreitet. Dass es der DLRG ernst ist mit dem Thema, verdeutlicht auch ihr Vorhaben, einen Arbeitsbereich „Familie“ zu gründen.

DLV – Familientag beim Spitzensport-Event

Hier die Nachwuchsarbeit, dort das Senioren- und Gesundheitsangebot. Hier Breite, dort Spitze:   Verschiedene Anwendungsformen des Sports werden meist getrennt dargestellt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat die Europameisterschaft der Senioren 2012 in Zittau zum Anlass genommen, ihre Verbundenheit zu demonstrieren – vor allem durch und gegenüber Familien. Im Rahmen eines aus dem DOSB-Innovationsfonds und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ) geförderten Projekts machte der Verband einen der zehn EM-Tage im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechien zum „Tag der Generationen“. Praktisch sah das so aus, dass dreiköpfige Teams, gebildet aus Großeltern, Eltern und Kindern, gemeinsam acht Bewegungsmodule durchliefen.

Bei Speerwurf, Bungee-Run oder Sprint-Biathlon sollten speziell die jungen Akteure die Reize des olympischen Kernsports für sich entdecken: Spaß finden an unterschiedlichen Bewegungsformen, dabei die Disziplinen der „Großen“ (in meist abgewandelter Form) kennenlernen und das Flair einer internationalen Veranstaltung erleben. Der DLV kooperierte dafür nicht nur mit dem Sächsischen Leichtathletik-Verband und dem Verein „Leichtathletik Senioren Europameisterschaften 2012 Zittau“, sondern auch mit der früheren Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler, Mutter, Autorin eines Buchs „Fit mit Kind“ und Testimonial des „Tags der Generationen“.

Erfolg und Erkenntnis

Leichtathletik hat jeder Altersklasse etwas zu bieten – und allen gemeinsam. Das sollte in Zittau deutlich werden. Tatsächlich erhielt der DLV nach eigenen Angaben „sehr positives Feedback“. Einerseits in Form des hohen Zuspruchs – vor allem von Eltern mit Kindern – und in Form der sehr guten Stimmung am „Tag der Generationen“; andererseits durch das hohe Interesse an dem Konzept an sich. Neben den eigenen Landesverbänden bekundeten Vertreter anderer Nationen und selbst eines anderen Fachverbandes (Volleyball), die Idee einer generationenübergreifenden Veranstaltung aufnehmen zu wollen. Der DLV selbst denkt über eine Wiederanwendung des Modells bei Großanlässen nach.

Praxisbeispiele Familie

Sport tut gut. Aber Sport verlangt Zeit, und darin liegt für manche Familien ein Problem. Ein Problem, das sich durchaus lösen lässt, dafür liefert Deutschland zahllose Beispiele. In nicht wenigen Familien ist der Sport sogar so unverzichtbar wie das Miteinander – weil er dieses Miteinander ermöglicht, und zwar in sehr intensiver Form. Wie das aussehen kann, stellen wir hier vor: anhand eines ringenden Spitzensport-Ensembles und einer vereinsprägenden Großfamilie, die der DOSB 2012 für ihr besonderes Engagement ausgezeichnet hat. Und anhand eines ganz normalen sportlichen Paares – mit vier Kindern.

Familie Schratz bei der Auszeichnung zur engagiertesten Vereinsfamilie im Januar 2012. Foto:DOSB
Familie Schratz bei der Auszeichnung zur engagiertesten Vereinsfamilie im Januar 2012. Foto:DOSB

Vier Generationen, ein Verein.  Die Familie Schratz aus Frankfurt-Griesheim ist der Hammer! Sie gewann den DOSB-Familienwettbewerb 2012 und wurde als engagierteste Vereinsfamilie ausgezeichnet.

So eine Großfamilie ist nicht alltäglich. 27 Personen umfasst der Schratz/Horst-Clan, und die ganze Kraft dieser Familie gilt der DJK Schwarz-Weiß Griesheim. „Das Besondere ist, dass sich 22  Mitglieder der Großfamilie in  Vereinen  engagieren. Das strahlt auch auf  die Atmosphäre im Verein aus“, sagt der erste Vorsitzende der DJK Herbert H. Walle. Insgesamt sind in der DJK Griesheim 384 Mitglieder in den Abteilungen Fußball, Tennis, Tischtennis, Spiel-Spaß-Bewegung für Kids, Damengymnastik, Wassergymnastik und Nordic Walking versammelt.

Engagement ist selbstverständlich

In der Familie Schratz hat Engagement eine lange Tradition. Der Stammbaum beginnt mit den im Jahr 2002 verstorbenen Eltern Hans und Loni Schratz, die ab 1966 bis in die neunziger Jahre  als Kassierer in der Fußballabteilung, beim Bau des Vereinsheims und der Tennisanlage oder als Helfer bei Jugendturnieren und Weihnachtsfeiern sowie Vereinsfesten ihre Freizeit dem Verein widmeten. Ihre vier Kinder wuchsen praktisch im Verein auf und waren sportlich immer dabei. Manfred Schratz ist bereits seit über 40 Jahren Jugendleiter von DJK Schwarz-Weiß Griesheim, seine Schwester Monika Horst die Frauenwartin und Mitorganisatorin bei verschiedenen Veranstaltungen, Helmut Schratz Betreuer und Helfer und Winfried Schratz ist seit 1974 Jahren als Jugendfußballtrainer tätig, seit 2011 gemeinsam mit seinem Sohn Sven. Auch die Ehepartner engagieren sich: Frank Horst, seit mehr als 40 Jahren im Verein, als Tischtennis-Abteilungsleiter, Jugendfußballtrainer und heute als Tischtennis-Mannschaftsführer, Brigitte als Übungsleiterin und Elke als Abteilungsleiterin.

Durch das Engagement der Erwachsenen sind die Enkel und Urenkel ganz selbstverständlich in Sport- und Vereinsleben hineingewachsen.

Nationalspieler und Bundesligatrainer

In der Großfamilie verbinden sich Freizeit-, Behinderten- und Leistungssport.

Die Enkel Kai und Ralf Horst brachten es sogar als Fußballspieler bis in die U16-Nationalmannschaft. Zehn Länderspiele haben beide absolviert. Sie spielten bis zur C-Jugend bei DJK Schwarz-Weiß Griesheim und danach bei Eintracht Frankfurt. Und auch heute sind sie  immer noch aktiv und haben zudem die Trainerlaufbahn eingeschlagen. Und auch die Ehefrau von Lars, Nicole, ist als Übungsleiterin beim Kinderturnen engagiert.

Enkelin Nora Schratz, geboren 1979, ist auf den Rollstuhl angewiesen. Sie nahm an der integrativen Gymnastik in Griesheim teil und schlägt die Brücke zum Leistungssport. Als Rollstuhlbasketballerin nahm sie dreimal an den Paralympischen Spielen teil, wurde Deutsche Meisterin und sogar Europameisterin. Sie trainiert die Mainhatten Skywheelers  in der Bundesliga. Ihre Schwestern Nathalie und Pia engagieren sich als Übungsleiterinnen für die ganz Kleinen beim Kinderturnen.

Die Freude am Sport und der Gemeinschaft

„Ohne Familie Schratz wären die Freizeiten der Jugendfußballabteilung für Jungen und Mädchen an Pfingsten, Turniere, Weihnachtsfeiern der Jugendfußballabteilung und Auslandsfahrten gar nicht möglich“, berichtet der 1. Vorsitzende. Die Mitglieder der Familie Schratz trainieren Jugendliche, leiten Spiele als Schiedsrichter, pflegen die Internetseite und leiten die Übungsstunden in den Gymnastikgruppen. Das Engagement zieht sich durch das gesamte Vereinsleben und prägt den Klub seit beinahe 50 Jahren. „Es ist die Freude am Sport und an der Gemeinschaft“, erklärt Manfred Schratz die Grundhaltung seiner Familie. „Wir haben die Verantwortung für unsere Gesellschaft, uns ehrenamtlich zu engagieren. Wir möchten Vorbild sein und andere animieren, mitzumachen.“ Besonders in der jüngsten Familiengeneration mit sieben Kindern, die ebenfalls bereits in Sportvereinen aktiv sind, erkennt er die Fortschritte in der Persönlichkeitsentwicklung durch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. „Außerdem lernen wir neue Leute kennen“, sagt Manfred Schratz, der als Jugendleiter schon Generationen von Fußballern betreut hat.

Ehrenbrief des Landes Hessen

Für sein Engagement in der Jugendarbeit ist der 1951 geborene Manfred Schratz schon mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen und 2006 mit der goldenen Ehrennadel der DJK  ausgezeichnet worden. Monika Horst und Winfried Schratz erhielten 2011 die silberne Ehrennadel der DJK. Nun kommt als Krönung die Auszeichnung als engagierteste Vereinsfamilie Deutschlands hinzu.

Die Familie Englich bei der Auszeichnung zur engagiertesten Spitzensportfamilie im Jahr 2012. Foto:DOSB
Die Familie Englich bei der Auszeichnung zur engagiertesten Spitzensportfamilie im Jahr 2012. Foto:DOSB

Spitzensport und Kinder: Passt das für die Eltern zusammen? Es passt. Die Ringerfamilie Englich ist das beste Beispiel. Sie erhielt auf dem Neujahrsempfang 2012 des DOSB die Auszeichnung als engagierteste Spitzensportfamilie.

Die Englichs, das sind vier Köpfe und ein Sport. Vater Mirko machte das Ringen regelrecht berühmt: 2008 bei den Olympischen Sommerspielen in Peking gewann er die Silbermedaille im griechisch-römischen Stil. Mutter Yvonne erlebte 2011 ihren Karrierehöhepunkt, mit dem dritten Platz bei der Europameisterschaft 2011 in Dortmund. Der Sohn war mit acht Jahren bereits brandenburgischer Landesmeister im Ringen. Und die Tochter besuchte als Vierjährige zunächst einen Schwimmkurs, ging dann – wie ihr Vorbild Pippi Langstrumpf – gerne zum Klettern, steht und kämpft inzwischen aber auch auf der Matte.

Beide sammelten Erfolge

Mirko Englich ist in Witten bei Dortmund geboren und begann nach einer Talentsichtung als Siebenjähriger mit dem Ringen. Schon als Jugendlicher sammelte er zahlreiche nationale Titel. Bei den Männern knüpfte er an diese Erfolge an, wie auch seine Frau Yvonne gewann er viele nationale und internationale Medaillen. Sie, gebürtige Schwäbin, zog 2001 zu ihm nach Dortmund. Mit den beiden Kindern kamen die Babypausen für Yvonne Englich. Nach der Geburt von Sohn Noah wagte sie 2005 ein Comeback, das jedoch jäh unterbrochen wurde: Eine schwere Knieverletzung verlangte mehrere Operationen. Schließlich wurde aus der Verletzungsunterbrechung eine zweite Babypause.

Aktive Karriere eigentlich bereits 2008 beendet

2008 hatte Yvonne eigentlich bereits mit der aktiven Ringer-Karriere abgeschlossen und ihren Rücktritt erklärt. Die Silbermedaille von Mirko in Peking im gleichen Jahr weckte allerdings Yvonnes großen Ehrgeiz. Das Paar entschloss sich, zu einem weiteren Versuch, sich gemeinsam für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

Im Jahr 2007 begann Mirko Englich eine Ausbildung zum Feuerwehrmann an der Landesfeuerwehrschule im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Dort kämpfte er ab 2009 für die Mannschaft des 1. Luckenwalder Sportclubs in der Bundesliga, seine Einzelstarts absolviert er für den RSV Hansa 90 Frankfurt (Oder). In diesem Jahr zog die Familie auch von Dortmund nach Frankfurt (Oder), wo auch für Yvonne bessere Trainingsbedingungen herrschten.

Die Oma als Dauergast

Wobei mit der sportlichen Laufbahn stets auch das normale familiäre Leben organisiert werden musste: Wenn Mama und Papa mal wieder durch die Welt tourten, dann war die Oma aus dem 600 Kilometer entfernten Dortmund Dauergast in Brandenburg. „Sie ist unersetzlich“, so die einhellige Meinung der Englichs. Und wenn Großmama ausnahmsweise nicht konnte, sprangen schon mal die Trainer als Babysitter ein.

Unterstützung und Förderung

Natürlich lassen sich Familienleben und Spitzensport nicht ohne Unterstützung miteinander vereinbaren. Mirkos Arbeitgeber sorgte mit dem Spitzensportprojekt Feuerwehr Brandenburg für Rückhalt, und mit Beratung des Deutschen Ringer-Bundes beantragte die Familie erfolgreich Betreuungszuschüsse bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Zuschüsse aus dem Bundesinnenministerium rundeten das Förderprogramm ab.  

Leider wurde der große Traum einer gemeinsamen Olympiateilnahme als Spitzensportfamilie 2012 in London nicht wahr. Yvonne und Mirko stehen zwar nicht mehr im Nationalkader, sind ihrer Sportart aber treu geblieben, unter anderem als Fans ihrer Kinder: Noah wurde 2013 Mitteldeutscher Meister. Lotta belegte bei der brandenburgischen Landesmeisterschaft Platz Drei in ihrer Altersklasse. Und nach dem Umzug zurück nach Dortmund ist die Familie auch wieder mit der Oma vereint.

Foto:fotografie jens steingässer
Foto:fotografie jens steingässer

Stefan und Iris Schneyder waren von klein auf aktiv. Nun haben sie selbst vier Kinder, aber die Lust am Sport ist geblieben. Sie wird nur anders ausgelebt als früher.

Stefan Schneyder* ist früh ins kalte Wasser gesprungen. Der Familienvater schwamm einst im Verein und paddelte auf Seen und Flüssen. Später dann spielte er Basketball und entdeckte seine Liebe fürs Mountainbike. Seine Frau Iris war nicht weniger aktiv, wenn auch weniger vielseitig: Ihre Leidenschaft war der Pferdesport. Mit der Geburt ihrer ersten Tochter wurden die Karten für beide neu gemischt.

Mittagspause im Radanhänger

Als Miriam zur Welt kam, war Stefan Schneyder 24. Der Fotograf machte damals aus der Notwendigkeit eine Tugend: Sein Mountainbike bekam einen Hänger. In der Mittagspause legte er seine Tochter hinein und fuhr los. Das wiegte das Baby in den Schlaf, und er kam zu seiner Tour. Später, als seine Erstgeborene sitzen konnte, durfte sie auch mit ins Paddelboot. „Indem man die Kinder direkt an den Sport heranführt, kann erst gar keine Hemmschwelle entstehen“, sagt der Vater. Die Entwicklung Miriams (8), aber auch ihrer jüngeren Geschwister Miro (5), Martha (4) und Mia (1)** scheint ihm Recht zu geben.

Erste Bewegungsimpulse erhielten die Kinder beim Babyturnen. Und im Wasser: „Wir gehen oft ins Hallenbad. Da sind alle total drauf abgefahren“, sagt Iris Schneyder. Auch fürs Laufrad musste man die Vier nicht begeistern: Sie nutzten es sehr gern und sehr oft, zuletzt Mia.

Ihre Geschwister treiben schon „echten“ Sport. Miro interessierte sich schnell für das, was viele Jungs cool finden: Fußball. Beim Kick mit den Freunden stand er immer unter Dampf, irgendwann wollte er richtiges Training. Bei den Eltern rannte er offene Türen ein: „Eine Vereinsidentität ist genau das, was er braucht“, dachten sie. Die Zweitjüngste begann bald mit dem Kinderturnen. Und nachdem die Familie ins Grüne gezogen war, entdeckte Miriam die Pferdeleidenschaft der Mutter. Sie fing mit Voltigieren an, dann setzte sie sich in den Sattel – heute haben die Schneyders nicht nur einen Hund, sondern auch ein Pony. Basketball spielt Miriam außerdem. Der Vater denkt mit wehmütigem Lächeln daran: „Ich komme im Moment nicht dazu. Mir fehlt's total!“ Er könnte sich ein Engagement im Verein vorstellen, so bliebe ihm der Korbsport erhalten.

Kinder kreativ verführen

Eltern sein ist eine tägliche Herausforderung. Vater Schneyder sagt: „Wenn wir sportliche Kinder wollen, müssen wir selbst aktiv werden – was dann auch die Kinder sehr genießen.“ Aber wie hält man den ermüdenden Nachwuchs bei Laune, ohne zu streng zu sein? „Da sind die Tiere ein großer Motivationsschub“, sagt er. Wenn es raus in die Natur geht, machen die Schneyders keinen klassischen Spaziergang. „Man muss die Kinder kreativ verführen“, so der Vater. Sie beobachten dann Gänse oder sammeln Steine.

Der Familiensport hat auch Stefan und Iris Schneyder neue Perspektiven eröffnet. Zu zweit hatten sie sich nie ins Paddelboot gesetzt, aber seitdem er im Urlaub anregte, mit den Kindern in den Kanadier zu steigen, ist auch sie Feuer und Flamme. Andererseits bekam  Stefan Schneyder plötzlich Lust auf Reitstunden, auf die Idee wäre er früher nie gekommen. „Wir stecken uns über die Kinder gegenseitig an. Das tut auch der Partnerschaft gut“, sagt seine Frau. Sie hat nach den Schwangerschaften zudem aufs Pferd zurückgefunden.

Es ist erfüllend

Der Sport mit den Kindern macht den Eltern doppelt so viel Spaß, versichern sie. Im letzten Winterurlaub stellte sich Miriam erstmals auf ein Snowboard. Als sie bereits am dritten Tag gemeinsam mit ihrem Vater fahren konnte, da war das „einfach nur erfüllend“ für ihn. Ob im Urlaub oder zu Hause: Familie Schneyder versucht, den Sport möglichst strukturiert ins Leben zu integrieren. Bewegung soll eine Selbstverständlichkeit sein.

* Alle Namen von der Redaktion geändert

** Alle Altersangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt, zu dem der Text erstellt wurde

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